Die Königinnen und Könige von Palmyra

Ja, ja, die Sassaniden, das war ja so ein kriegerisches persisches Volk, das in der römisch-kaiserzeitlichen Antike den Römern ständig ärger machte. Im Jahr 260 n. Chr. nahmen sie sogar den römischen Kaiser Valerian als Geisel, töteten ihn, häuteten angeblich seine Haut und hängten sie – nachdem sie sie mit Zinnober gefärbt hatten – als Warnung in einem ihrer Tempel aus. Huiuiui!

Ruinen von Palmyra

Ruinen von Palmyra

Für die damaligen Verhältnisse war das mehr als spektakulär! Ihr Nachbar, König Odaenathus – seines Zeichens König von Palmyra – versuchte sich daraufhin den Sassaniden als Komplize anzubiedern, um sich an den von jenen eroberten Ländereien mitbereichern zu können. Die Sassaniden waren von ihrem alleinigen Herrschpotential jedoch anscheinend sehr überzeugt und lehnten dieses Gesuch kurzerhand ab.
Odaenathus erwies sich jedoch als ein hartnäckiger Geselle. Er wollte den Sassaniden partout nicht das Feld alleine überlassen. Ist ja auch klar: wer die Römer drangsaliert, macht irgendwann vor Palmyra auch nicht halt! Deswegen nahm er die einzige taktische Alternative in Anspruch, die ihm blieb: Er stellte sich auf die Seite der Römer. Das konnte er sich aber auch leisten, denn er hatte eine fette Armee, die er sich über die Jahre zusammengestellt hatte, denn Palmyra war zu der Zeit eine aufstrebende Handelsstadt, die als Oase und als Karawanenzentrum diente und mitten auf der Seidenstrasse Richtung Mesopotamien und Kleinasien lag. Das bedeutete natürlich einen Haufen Zaster, ist ja klar. Und diesen strategischen Vorteil wollte sich Odaenathus selbstredend vergolden lassen.

Also besiegte er kurzentschlossen die Sassaniden. Die Römer hingegen – wie von diesen miesen Halunken auch nicht anders zu erwarten – feierten ihn zunächst ab und überhäuften ihn mit Privilegien und Sonderrechten, Steuerbegünstigungen und puderten ihm noch ordentlich den Arsch, so dass der Mann vollkommen die Kontrolle über seine Hybris verlor und immer mehr und mehr forderte, was die Römer natürlich irgendwann zu nerven begann. Aber ich würde ihnen zutrauen, dass das auch ihre perfide Strategie war.

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Zenobia, Königin von Palmyra.

Ca. 10 Jahre lang hielten sie seine Faxen aus, aber dann war schicht im Schacht: Odaenathus verstarb aus „ungeklärten Gründen“ 267 n. Chr.. Aber die Römer hatten die Rechnung ohne seine Frau gemacht! Die liess nix anbrennen und übernahm quasi die Macht im Namen ihres unmündigen Sohnes und bot den Römern erst recht die Stirn. Sie schwang sich an die Spitze der Armee auf und eroberte ganz Mesopotamien und Teile von Kleinasien. Damit nicht genug: Sie ernannte sich zur Augusta und beanspruchte den Titel der oströmischen Kaiserin, als ebenbürtiger Konterpart zum weströmischen Kaiser. Sie war also noch ein Stück dreister, als einst ihr Mann und alle Sassaniden zusammen es vermocht hatten zu sein.

Mitlerweile war in Rom Kaiser Aurelian am Start und mit dem war auch nicht gerade gut Kirschenessen. Der Kaiser hatte schon die Goten, Juthungen, Markomannen und Vandalen in die Flucht geschlagen, dann kamen die Germanen wieder über die Alpen und führten sich auf, ne Revolte entsprang im Reich und er musste sich parallel noch gegen seine Gegenkaiser durchsetzen. Puuh! Ein Haufen Action! Aber Aurelian war wie gesagt ein harter Knochen und hat das alles ganz gut hingedeichselt.

Ja, und dann war’s 271 n. Chr. endgültig soweit. Mitlerweile war der Mann richtig heißgelaufen und knüpfte sich Zenobia und ihre Palmyrener vor. Die hat in der Folge zwar noch ein Jahr lang erfolgreich Gas gegeben und hat’s den Römern echt nicht leicht gemacht, aber im Endeffekt hat sie dann natürlich ordentlich eins auf die Mütze gekriegt, wurde einkassiert und nach Rom verschleppt. Was da aus ihr geworden ist, weiss leider keiner mehr genau. Das ist schade eigentlich. Es gibt nur Gerüchte: vom Tod im Kollosseum, bis hin zur Geliebten im Palast des Kaisers. Zenobia ging ein als eine der wenigen Frauen, die in der Antike als Herrscherin das Heft in die Hand genommen und die Römer zum schwitzen gebracht haben. Sie wird von der arabischen Intelligentia und von den Sekularisten als Symbolfigur der selbständigen arabischen Frau gefeiert. Für die Syrer – im besonderen für das Assad Regime – gilt sie als nationale Kultfigur.

Aber zurück zur Geschichte! Syrien wurde auf jeden Fall wieder römische Provinz. Die Bevölkerung machte dann noch ein paar Faxen, aber das hat auch nicht mehr viel geholfen. Eher brannten bei den Römern die Sicherungen nun erst recht durch und die Stadt wurde erstmal komplett zerstört.

Dann kamen irgendwann die Christen…dann die Moslems.

Hmmm. Na, ja!

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Max von Oppenheim zusammen mit einem Beduinenführer aus der Region um Tell Halaf (jetziger Irak).

Im 18. Jhd. entdeckten dann die europäischen Schöngeister die Ruinen und ab da war erstmal Holzschnitt- und Nobel-Tourismus angesagt. Die Moderne brachte dann den althistorischen und kulturwissenschaftlichen Anspruch und es wurde gegraben und gegraben und gegraben. Die gesamte arabische Halbinsel, Mesopotamien, Kleinasen – überall tummelten sich skurrile Gestalten, die im Auftrag ihrer Imperialmächte Archäologie und Spionage betrieben.

Die deutschen hatten ihren Max von Oppenheim, der das mesopotamische Tell Halaf entdeckte, deren teilweise monumentale Fundstücke dann im ersten Weltkrieg nach Berlin gebracht wurden, wo sie im 2. Weltkrieg dann zerstört wurden und deren Trümmer  in Kisten in einem Heizungsschacht vergessen wurden, bis sie dann nach der Wende tatsächlich wiederentdeckt wurden.

Gertrude Bell

Gertrude Bell

Die Briten beauftragten die Archäologin Gertrude Bell und T.E. Lawrence, in den Problemzonen Palästina, Jordanien, Syrien, Arabische Halbinsel irgendeine Form von Ordnung einzurichten. Die beiden ritten dann auf dem Kamelrücken durch die Wüste und richteten eine Menge Unfug an, dem wir heute noch fast sämtliche Unruhen in dieser Region Schulden.

Faisal und Lawrence

Prinz Faisal in Begleitung von britischen Offiziellen bei der Pariser Friedenskonferenz 1918. Gleich rechts hinter ihm: T.E. Lawrence.

Der ganze nahe Osten und der sogenannte Orient wurde damals immer interessanter, alleine aus strategischer Sicht, aber vor allem wegen der reichen Ölvorkommen. Die sozialen und gesellschaftlichen Strukturen waren aber alles andere als übersichtlich, denn es lebten dort viele kriegerische, rivalisierende – meist muslimische – Stämme, die schwer unter einen Hut zu bringen waren.

Das Ziel der Imperialen Mächte war es damals also, eine Lösung zu finden, mit der man die gesamte Region leichter kontrollieren konnte. Man brauchte einen mächtigen Partner, der natürlich auch Moslem sein musste und auf den in der Region „alle“ hörten. Mit Betonung auf „alle“, denn in der imperialen Phantasie waren all diese Völker trotz ihrer Diversitäten in ihrer „Fremdheit“ nämlich eine Einheit, also auch einheitlich zu beherrschen. Das war der imperiale Traum, der sich natürlich nie bewahrheitete und die Region in ein Trauma getrieben hat, das bis heute noch andauert.
Die deutschen kooperierten mit dem Osmanischen Reich und liessen den Dschihad gegen die Alliierten ausrufen. Die Engländer hingegen intrigierten geschickt und versuchten durch die Schlüsselfiguren Gertrude Bell und Lawrence ein neues gemeinschaftliches Identitätsbewusstsein unter den arabischen Stämmen zu etablieren, dass seine Kraft vor allem aus der Opposition gegen das verhasste Osmanische Reich nahm.

Sie versprachen dem haschamitischen Prinzen Faisal ein Königreich auf der saudischen Halbinsel, das die heiligen Stätten in Mekka, ganz Syrien und Palästina beinhaltete. Mit diesem Versprechen gewannen sie den Kampf um diesen hochbegehrten imperialen Günstling, um den sich schon seit längerem auch Max von Oppenheim im Auftrag der Deutschen bemühte. Während sie dies taten fand jedoch eine Geheimabmachung zwischen den Franzosen und den Engländern statt, die für den Fall der siegreichen Beendigung des 1 Weltkrieges eine ganz andere Aufteilung vorsah: nämlich ohne jegliche Beteiligung von lokalen muslimischen Stämmen. Max von Oppenheim hatte den Kampf um Faisal verloren, aber versuchte noch verzweifelt die Stämme in der Region gegen „die Feinde“ zu „revolutionieren“. Vergebens! Die Engländer waren einfach die besseren Taschenspieler.

Und so kam es dann, dass das besagte geheime Abkommen, mit dem Namen Sykes-Picot, 1916 vereinbart und nach dem Ende des Krieges mit der Pariser Friedenskonferenz abgesegnet wurde. In Syrien setzten die Franzosen ihre kolonialen Pläne durch und Prinz Faisal konnte sich die hohle Hand lecken. Die gute Gertrude Bell und Lawrence von Arabien waren brüskiert durch ihre eigene Imperialmacht.
Gertrude war aber fest entschlossen ihren Prinzen doch noch zu hohen Würden kommen zu lassen und schaffte es tatsächlich, den Staat Irak in Mesopotamien zu inszenieren und 1920 dann schlussendlich ihren sunnitischen Lieblingsprinzen Faisal in einem vorwiegend von Schiiten bewohnten Irak als König einzusetzen. Für alle, die das schon lange interessiert hat: Das ist der hauptsächliche Grund dafür, warum im Irak seitdem fast ein jahrhundert lang eine sunnitische Minderheit über eine schiitische Mehrheit geherrscht hat.

Gertrude Bell, Max von Oppenheim, Lawrence von Arabien wurden in der Zeit danach als große Helden des Orients gefeiert. Filme wurden gedreht, Bücher geschrieben. Gertrude ist in die Geschichte eingegangen als „Queen of the Desert“ und Lawrence’s Leben wurde ja bekanntlich mit Prominenter Besetzung verfilmt. Max von Oppenheim’s Popularität begrenzte sich da eher auf Deutschland, aber er hatte ja auch für die Verlierer gekämpft. Selber Schuld!

Khaled al-Asaad

Khaled al-Asaad

Aber kommen wir zurück zu Palmyra: Unter all den verschiedenen Archäologen bemühte sich einer besonders für die alte Metropole: Khaled Al Asaad. 40 Jahre lang war er Leiter der archäologischen Stätte, bis er dann im August 2015 von der DAESH gefoltert und dann geköpft wurde. Seinen Leichnam hängten diese Irren an eine zentrale Wegkreuzung im Ort und liessen ihn erstmal hängen. Angeblich hatte sich Asaad geweigert, die DAESH-Milizen zu vermeintlich noch begraben liegenden Schätzen zu führen.

Khaled al Asaad wurde in Palmyra geboren, verbrachte die meiste Zeit seines Lebens dort und starb auch an diesem Ort. Er rettete bis zum letzten Moment Kulturgüter und weigerte sich strikt, den Ort zu verlassen, obwohl er genau wußte, dass er unter Lebensgefahr stand. Vielleicht war er der wahre König von Palmyra?

Tanzende Heuballenderwische verursachen Panik zur Eröffnung des neuen Gotthard-Tunnels!

Der Gotthard-Tunnel wurde eröffent. Es gab dazu wohl auf der Schweizer Seite eine relativ aufwendige Eröffnungsshow mit Getanze, Musik und Kostümen und so. Das ganze war anscheinend richtig bombastisch, was so einige schweizer Oppositionsplitikerinnen und -politiker von der Schweizerischen Volkspartei (SVP) ziemlich aufgeregt hat. Ist ja auch verständlich! Da werden Unmengen Steuergelder in den Wind geschossen und verprasst. Was könnte man damit nicht alles machen? Grundeinkommen finanzieren zum Beispiel!

…Ach, ja – das wollte man ja wiederum nicht so unbedingt. Ja Wurscht.

Auf jeden Fall regte sich da wohl eine Abgeordnete über Tänzer auf, die in Heukostümen rumgehüpft sind, weil sie die für tanzende Derwische des islamisch-sufistischen Mevlana-Ordens gehalten hat! Zur Eröffnung des St. Gotthart-Tunnels! What the fuck?

Diese, das hatte die SVP-Politikerin angeblich in der Enzyklopädie des Islam nachgelesen, stünden „für eine Form der Annäherung zu Allah“ und das wiederum würde die Grundwerte der Schweiz unterwandern, ja „verraten“.

Meine Fresse!

Anstatt sich über die unsinnige Verschwendung aufzuregen, gings ihr um diese tanzenden Heuballen. Bei denen handelte es sich aber mitnichten um Derwische, sondern um Fabelwesen und Gestalten aus der Alpenkultur. Sie waren Figuren aus einer Sage aus dem Urnerland, wonach der Teufel auf der Jagd nach einer menschlichen Seele mit einem Ziegenbock überlistet worden war. Und die Heuballen spielen dabei wohl eher eine untergeordnete Rolle.

Dies geht wiederum aus einer schriftlichen Antwort des Bundesrates hervor, die dieser nach all den Beschuldigungen zu veröffentlichen genötigt sah (http://www.sueddeutsche.de/panorama/schweiz-islamische-symbolik-nein-tanzende-heuhaufen-1.3023623).

ja, was soll ich sagen? Das ist keine Satire! Das ist Alltag Leute! Ich weiss auch nicht, wie das kommen konnte? Eigentlich kennt diese Gestalten doch jedes Kleinkind von diversen Winteraustreibungen und Festumzügen, verdammt nochmal? Und die Frau ist schweizer Abgeordnete. Ich mein: die kenn ja sogar ich mit meinem Kanackenhintergrund seit meiner Kindheit. So groß ist die Schweiz jetzt doch auch nicht? Da kann man sich doch mit ein Paar regionalen Kulturbräuchen mal beschäftigen, oder? Erst recht, wenn man von sich selber behauptet, man wäre Vertreterin einer nicht unbedingt „dezent“ national orientierten Volkspartei?

Und überhaupt! Wo denkt die gute Frau hin? Welcher Schweizer mit gesundem Menschenverstand würde überhaupt auch nur im Ansatz daran zu denken wagen, tanzende Derwische zur Eröffnung des Gotthard-Tunnels zu engagieren? Also tanzende Derwische? Ich bitte euch! Tanzende Derwische entstammen doch direkt den Abgründen der Hölle und bringen nur Leid und Verderben in die Welt. Das sind doch Terroristen? Das weiss doch jeder? Und was haben tanzende Derwische bitte überhaupt mit dem Gotthard-Tunnel zu tun? Das ist doch eine abgrundtiefe Schande! Was sind das für Phantasien, frag ich mich?

Auf sowas kommt doch nur eine Vaterlandsverräterin. Also müsste man eigentlich die Anonymität dieser Abgeordneten aufheben und sie dann verklagen!

P.S.: hab mir gerade ein Paar Mitschnitte von der besagten Eröffnungsperformance angesehen. Ja…ist schon ziemlich Scheisse gemacht. Es gibt sogar Kommentare, die den Organisatoren Satansverehrung vorwerfen. Also übertreiben muss man’s ja nicht: es ist einfach nur teuer und schlecht, aber Satan? Jetzt coolt mal runter Leute! Abgesehen davon: Tanzende Derwische wären ja schlimmer als Satan sogar, ne? Ist halt schade um’s Geld, aber das ist ja auch Satan’s Werk, insofern hat sich zumindest irgeneiner was dabei gedacht? Satan?

Der Räuber und der Prinz (Henry Ford und Adolf Hitler)

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In den USA wurden schon einige große Mythen geschrieben, in Deutschland auch. Der große deutsche Mythos dieser Zeit bietet sich natürlich mit der Geschichte jenes rätselhaften Mannes, dessen Erfolg buchstäblich aus dem Nichts zu kommen schien und die Weltgeschichte auf den Kopf stellte. Adolf Hitler! Ich weiß, viele haben auf den Käse keinen Bock mehr, aber was ich euch erzählen werde, das ist wirklich spannend. Deswegen lest mal weiter und verdreht nicht gleich die Augen. Würde mich ja interessieren, ob sich Infos dazu im neuen NS Dokumentationszentrum an der Briennerstraße finden lassen?
Mich hat’s ja schon immer gewundert, dass der Erfolg vom Adolf immer so mystifiziert und verklärt wurde. Da hieß es immer: brillianter Rhetoriker, ein Rattenfänger, etc.. Man sprach sogar von einem gewissen Charisma. Ich dachte mir immer: „Was Charisma? Das war eine hässliche Wixfresse und ein Riesenarschloch, das ein Buch über Rassentheorie im Kinderjargon geschrieben hat, ein größenwahnsinniger Choleriker, den man komischerweise hat gewähren lassen, aber wenn die Deutschen eine so geartete Definition von Charisma haben, dann wird das wohl für sie schon stimmen, mei“. Klar konnte der was: Er konnte klasse mit dem Seitenscheitel wackeln, während er ins Mikro schrie und knallrot anlief. Was sein Charisma enorm unterstrich, das war meiner Meinung nach die abruppt zurückschnellende Kopfbewegung nach einem lange anschwellenden und in einem Exzess von Spucke und Geschrei endenden cholerischen Ausbruch und der darauf folgende Strich mit der Glatten Hand über sein Haupt, um seine Haare wieder in Ordnung zu bringen. Und wie er dabei tief Luft holend die Augenlider zuklappte, um mit frischem Atem, bedacht gesenkter Stimmlage und demütig geneigtem Kopf erneut zu einer Tirade anzusetzen, die innerhalb von 4-5 Sätzen in einem weiteren rhetorischen Feuerwerk aus sinnentleertem Brüllmüll kulminierte. Ein Naturtalent an Redner, der das Volk einfach verzauberte? Es wäre im nachhinein natürlich traurig so etwas anerkennen zu müssen, aber man hätte es einfach mit einem teuflischen Verführer zu tun gehabt? Wer sollte da noch widerstehen können? Ach, ach!
Ich fragte mich immer: „Sag mal….das kanns doch nicht gewesen sein? Da muss es doch noch etwas gegeben haben, was ihm seinen Arsch sicherte! Sein verschissenes Charisma kann’s doch nicht allein gewesen sein, oder? Sooo doof und armselig können die Deutschen doch nicht gewesen sein? Vor allem wie doof sind sie denn, wenn sie nach all den Jahren immer noch an diesen rätselhaften Mythos des unerklärlichen Aufstiegs glauben? Oder waren sie wirklich einfach nur hohl? ….Ja, ok waren sie wohl doch und auch noch schweineeitel dazu und gekränkt in ihrer Kolonialherrenrehre. Sind sie ja eigentlich immer noch. Aber das alleine reicht doch nicht, um diesen Scheiß möglich zu machen? Wer hat denn das ganze finanziert? Die SA, die Uniformen, die Aurfmärsche, die Turboaufrüstung und den ganzen Klimbim? Das kost‘ doch’n Haufen Asche? Ja erzähl mir doch nix, komm!“
Tatsächlich tauchten ja über die Jahre immer wieder hier und da Artikel über die internationalen Unterstützer und Kapitalgeber der Nazis auf. Nie hatte ich so richtig die Zeit, mich damit zu befassen, hatte auch wenig Lust drauf ehrlich gesagt, genauso, wie ihr jetzt. Aber als dann in einer kurzen Doku, die ich im Internet fand, dann der Name „Ford“ fiel, wollte ich’s schon mal wissen. Ganz banal halt!
Nach kurzer Recherche fand ich nun Quellen, die von der Öffentlichkeit wohl eher mit geringer Aufmerksamkeit bedacht werden und ein bescheidenes Spezialarchivdasein führen. Diese boten mir das, was ich in all den großen spektakulären Dokus, Medienbeiträgen und Reportagen nicht fand: einleuchtende Antworten, statt verzweifelte Fragen! Und irgendwann wurde mir auch bewusst, warum diese Antworten nicht breit gestreut wurden: „Weil das wohl einigen Leuten ganz schön die Laune versauen würde und zwar noch viel mehr, als sie eh schon ist, wenn das Holocaust Thema aufkommt“.
Na ja, stellt euch mal vor: da lässt man sich von den Alliierten schön befreien, kriegt ’nen Marshall-Plan verpaßt, baut sich innerhalb von ein Paar Jahrzehnten wieder wirtschaftlich auf, erlebt ein Wirtschaftswunder vom andern Stern, entwickelt ein neues Selbstbewusstsein, hat ne tolle Nationalmannschaft und muss sich dann anhören, dass man sowohl die ganze Misere, als auch die Befreiung davon, ein und denselben Leuten zu verdanken hat! Zum Beispiel so Leuten, wie Henry Ford! Ja ihr lest richtig!
Und da wären wir jetzt bei einem großen Mythos der USA angelangt, der direkte Zusammenhänge zu diesem oben erläuterten großen deutschen Mythos aufweist. Henry Ford kam ja aus ganz ärmlichen Verhältnissen. Er stammte aus einer Familie mit 6 Kindern, was dazu führte, dass er nur eine geringe Bildung erhalten konnte. Aber sein Interesse an mechanischen Vorgängen und sein persönliches Talent verhalfen ihm zu seiner einzigartigen Karriere. Er war der Mann, dem die Menschheit das erste serienmäßig hergestellte Automobil zu verdanken hat. Den Rest der Story kennt man ja.
Was ich aber nicht wusste, ist die Tatsache, dass der Mann ein bekennender Antisemit war und anders krass auf unseren Adolf abfuhr. Ja, er hatte sogar ein Buch geschrieben mit dem illustren Titel: „Der internationale Jude – ein Weltproblem“ (s. Anm.). Und jetzt kommt’s: Zu just einem Zeitpunkt, als die Bewegung vom Adolf nach ersten furiosen Anfangserfolgen und einem aufgebauschten Hype schon massiv an Zuspruch zu verlieren schien, nämlich noch vor dem Feldherrnhallenputsch – also mit heutigem Marketingvokabular formuliert: „in der entscheidenden Phase der Produktplatzierung“ -, sprang unser amerikanischer Industriegott seinem Nazi-Liebling helfend zur Seite. Im Jahr 1922 richtete er seinem Zögling ein geräumiges Hauptquartier in München ein und ermöglichte ihm seinen ersten schönen Aufmarsch. Ab da spendete er ihm jährlich zu Führers Geburtstag 50.000 Reichsmark – sozusagen als Birthdaypresent. Dafür wurde er noch Jahre später mit den höchsten Ehren versehen, die ein Ausländer in Deutschland empfangen konnte, nämlich mit dem „Großkreuz des Deutschen Adlerordens“ und zwar im August 1938. Ein Portrait des amerikanischen Industriellen hing lange Jahre auch in Führers Arbeitszimmer in dessen Hauptquartier.
Bei Wolfgang Zdral lesen wir des weiteren: „Die Ford Motor Company war beteiligt am Aufbau der deutschen Streitkräfte vor dem Zweiten Weltkrieg. 1938 wurde beispielsweise ein Fertigungswerk in Berlin in Betrieb genommen, dessen einzige Aufgabe es war, LKWs für die deutsche Wehrmacht herzustellen. Ford produzierte insgesamt 78.000 LKW und 14.000 Kettenfahrzeuge für die Wehrmacht. Die Ford-Werke wurden bis Ende 1944 von der alliierten Bombardierung verschont und dann auch nur wenig beschädigt. In den Ford-Werken wurden auch Zwangsarbeiter eingesetzt, die man für vier Reichsmark pro Tag von der SS auslieh“ (Quelle s. Anm. 2).
Der Konzern war im Krieg durchgehend an den Rüstungsunternehmungen des Naziregimes beteiligt und machte auch noch satte Gewinne, während Henry Ford’s geliebtes Vaterland genau mit diesem Regime im Kriegsverhältnis stand. Im Jahr 1941 ist ein Profit im Deutschlandgeschäft von Ford in der Höhe von 58,000,000 Francs vermerkt. Dies geht aus einem Dialog des Frankreichchefs von Ford mit dem Sohn von Henry Ford, Edsel Ford, hervor. In Europa gab es Ford Werke in Amsterdam, Antwerpen, Paris/Poissy, Budapest, Bukarest, und Kopenhagen. Bei flächendeckenden Bombardements wurden diese – wie Zdral schon vermerkte – von der US Air Force geschont. Es gab aber eine Ausnahme, nämlich 1942. Da wurde das Werk in Poissy in Frankreich getroffen und stark beschädigt. Ford erhielt im Nachhinein 38 Millionen Francs Schadenersatz von der Vichy-Regierung. Die Bombardierung erschien in den amerikanischen Nachrichten. Es wurde jedoch verschwiegen, dass es sich um ein Ford-Werk handelte. Auch von den Reparationszahlungen erfuhr die amerikanische Öffentlichkeit nichts.
Ja vielleicht weiss ja der eine oder die andere das alles schon, aber ich dachte mir, es könnte nicht schaden, das hier noch einmal auf zu tischen, wenn wir schon beim Thema Wahrheit sind. Diese Fakten würden auch schön in den Geschichtsunterricht passen eigentlich, nicht wahr? Statt dessen müssen wir sie mühsam aus tausenden Quellen der Spezialliteratur zusammen suchen. Das würde den Kindern doch den Erfolg der Nazis ganz gut nahe bringen? Was muss man da so dämlich rummystifizieren? Ein größenwahnsinniger Vollidiot hat mit seinen dämlichen Phantastereien bei anderen größenwahnsinnigen reichen und mächtigen Volltrotteln Zuspruch gefunden und konnte seine perverse Mordlust mal ordentlich hochsubventioniert und auf globaler Ebene ausleben. Zumal er dabei seinem Antisemitismus freien lauf ließ und damit vielleicht auch einigen mächtigen Rassisten der Weltpolitik und -wirtschaft einen großen Gefallen tat. Außerdem verschaffte er seinen internationalen Mäzenen dadurch große Profite und auch äußerst günstige Arbeitskräfte (bei fast 3 Millionen internierten Häftlingen ging da schon einiges).
Und die Story geht weiter: Ford war seit 1928 an I.G. Farben beteiligt, der Firma, die das sagenumwobene Zyklon B produzierte und auch sonst am Rüstungsaufbau der Wehrmacht gut beteiligt war. 40 Prozent der Ford Motor A.G. Deutschland wurde durch I.G. Farben aufgekauft. Carl Bosch von I.G. Farben wurde Konzernchef von Ford Motor A.G. Deutschland. Gleichzeitig wurde in den USA Edsel Ford Vorstandsvorsitzender der amerikanischen I.G. Farben.
Das hört sich doch mal lecker an? Also mir kommt’s gerade derbe hoch, wenn ich an den schönen Ford denke, mit dem wir damals immer über den Autoput zu unser Familie nach Istanbul und ans Schwarze Meer gefahren sind. Das war so ein schöner Ford Transit, weiß-grün gestreift, hinten mit Doppelreifen, etwas länger vom Maß als normal, umgebaut zum Wohnmobil mit aufklappbarem Dachteil und voll ausgestattet mit Herd, Tisch, Bett, Heizung, Gas, etc. p.p.. Was haben wir da drinnen Köfte gebraten. Alter! Den hab ich geliebt, den Ford Transit! Wenn mein Sozialistenvater das alles nur gewusst hätte!!
Aber noch ist nicht schluß, da geht’s noch weiter mit wohlhabenden jüdischen Familien wie die Warburgs und die Oppenheims, die es sich nicht nehmen liessen, mit den Nazis Geschäfte zu machen. Die setzten sich im Dienste des Profits einfach über ihr Gewissen hinweg und nahmen die Vernichtung ihres eigenen Volkes in kauf. Dann die anderen großen internationalen Firmen: Standard Oil hat die deutschen Messerschmidts über die neutrale Schweiz mit einem bleihaltigen Treibstoffzusatz versorgt, der für den Betrieb der Kriegsflugzeuge dringend notwendig war. Prinz Bernhard zur Lippe-Biesterfeld, seines Zeichens niederländischer Königinnengemahl und Vater von Königin Beatrix, war Mitglied der holländischen Nazipartei „Nationaal-Socialistische Beweging in Nederland“ (NSB) und versorgte die deutschen Flieger über die niederländische Firma Shell mit Treibstoff. Das heisst – im Grunde hätten die deutschen Luftangriffe zu jeder Zeit leicht gestoppt werden können, wenn der Wille da gewesen wäre. Kurzum: die Nazi Kriegsmaschine war ein US-amerikanisches Megageschäft und die Rockefellers schäffelten da auch irgendwo fleissig mit rum. Die Amerikaner haben den Nazis sogar Coca-Cola verkauft. Die deutschen Messerschmidtpiloten banden in der nordafrikanischen Wüste mit Handtüchern umwickelte Cola-Flaschen unter die Tragflächen, flogen damit auf eine Höhe, in der die Handtücher gefroren, kamen wieder zurück und gönnten sich einen eiskalten Schluck Coca-Cola mitten in der Wüste! Man stelle sich das mal vor!

So jetz‘ is mir Speiübel. Mein lieber Herr Krabbenzuchtverein! Das glaubt mir eh wieder keiner: „Mimimi Verschwörungstheoretiker mimimi“. Dabei gibt’s da noch ganz andere Stories noch mit General Motors, und und und. Buäh Pfuidaiwi!

Quellen:
1. Antony C. Stutton, Wallstreet and the rise of Hitler (1976, 1999) , Online-Version: http://www.voltairenet.org/IMG/pdf/Sutton_Wall_Street_and_Hitler-5.pdf

2. Wolfgang Zdral, „Der bezahlte Aufstieg des Adolf H.“, Wien: Ueberreuter, ©2002), Online-Version: http://sauber.50webs.com/kapital/

3. Zu Henry Ford’s literarischem Machwerk s.: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_internationale_Jude

Weitere Quellen findet ihr in den angegebenen Links.

Veröffentlicht im Gaudiblatt #24 Wahrheit, Juni 2016.

Alles bestens – Herşey yolunda

Es ist alles bestens.

Achtung Achtung!
Hahahahaha!
Achtung! Es ist alles bestens. Keine Sorge! Respekt! Achtung!

Der Wagen mit dem Kennzeichen „34 MIT 1908“
Bleib im Windschatten!
Bleib im Windschatten!
Achtung!
Du kannst Selfies aus der Karibik posten.
Da gibt’s eine Atatürk Büste in Havanna.
Du kannst Selfies posten.
Achtung Achtung! Atatürk! Respekt! Achtung! Respekt! Achtung!

Allah ist Gross und Mohammed ist sein Prophet.
Und die erste Moschee in Übersee, soll auch dort gestanden haben. Achtung!
In Havanna.
Achtung!
Der Präsident war in Havanna.
Achtung! Allah, Mohammed, Prophet, Präsident, Respekt! Achtung! Achtung!

Hurensöhne! Hurensöhne! Hurensöhne! Hurensöhne! Hurensöhne!
Respekt! Respekt! Respekt! Respekt! Respekt! Respekt! Respekt!
Der Präsident! Atatürk! Achtung! Achtung!
Respekt! Achtung!

Und bist du wieder zurück! Aha! Wie läufts?
Achtung! Achtung! Respekt! Respekt!
Der Mann! Die Frau! Die Frau! Die Frauen! Achtung!
Allah! Allah! Atatürk! Respekt! Der Präsident! Atatürk! Achtung!

Die Strassen!
Wo kommen die Strassen her?
So viele Strassen! Jaaaaa! Strassen! Endlich Strassen! Achtung!
Häuser, Strassen, Häuser, Strassen, Achtung Achtung! Respekt! Respekt!
Achtung! Achtung!
Brücken, Häuser, Strassen, Glasfassaden, getöntes Glass, Häuser, hohe Häuser,
gaaaaannz ganz hohe Häuser!
Ganz hohe moderne Häuser! Achtung! Brücken! Ubahnen! Geld!
Achtung! Achtung! Respekt! Achtung! Der Präsident! Achtuuuuung!

Achtung! Achtung!
Eine feindliche Zelle! Achtung! Aaaaaaaaaaaaaachchchchtuuuuuuuuuuung!
Achtung! Der Präsident! Atatürk! Der Präsident! Allah! Allah! Atatürk! Respekt! Achtung! Respekt! Achtung! Achtung! Atatürk! Achtung!

Achtung!
Achtung Achtung!
Der Präsident geht beten. Respekt! Achtung! Atatürk! Achtung! Geld! Achtung!
Der Präsident! Der Präsident! Der Präsident! Der Präsident! Der Präsident! Der Präsident! Der Meister! Der Lange! Der Grosse! Der gottesähnliche Präsident!
Der Sultan! Der Kalif! Achtung! Achtung!
Der Präsident. Der Präsident ist die Mutter von Atatürk!
Achtung! Achtung! Achtung! Respekt! Achtung!
Der Präsident ist auch deine Mutter Achtung! Achtung! Respekt! Respekt!

Es ist alles bestens. Danke! Danke!
Hahah.
Wir bauen alles wieder auf.
Achtung Achtung!
Wir, Wir, Wir, Wiiiiiiiiirrrr!!
Wir bauen alles auf!
Wir bauen alles auf! Achtung!
Bauen alles wieder auf. Respekt! Geld! Achtung! Achtung! Alles bestens.
Männer, Frauen, Kopftücher! Alles bestens! Achtung! Der Prophet!

Beten. Aufbauen. Beten. Aufbauen.
Achtung!
Allah!
Achtung!
Geld! Geld! Geld! Geld! Geld! Geld! Geld! Geld! Geld! Geld! Geld! Geld! Geld!
Allah!
Der Sultan! Der Kalif! Die Osmanen! Die Türken! Die Väter! Achtung!
Respekt!
Viel Geld! Sehr viel Geld! Wir schwimmen im Geld! Hahahahahaaaaa!
Achtung!
Respekt!
Achtung!
Allah!
Atatürk! Achtung! Respekt! Der Präsident! Der Präsident!
Deine Mutter! Achtung! Respekt! Achtung!

Alles ist Gut!
Alles ist bestens! Achtung!
Der Präsident! Der Präsident! Allah! Atatürk! Allah! Geld! Respekt! Deine Mutter!
Achtung!
Deine Frau! Achtung!
Deine Frauen! Achtung! Achtung!
Deine Tochter, deine Schwester! Respekt! Respekt! Tod! Respekt! Achtung!

Tränengas! Tränengas! Tränengas! Tränengas! Tränengas! Tränengas! Tränengas! Tränengas!
Wir machen alles sauber! Achtung! Alles wird sauber! Alles wird bestens!
Respekt!

Europa!
Europa!
Europa!
Die Juden, die Armenier, die Kurden, die Feinde, Achtung! Achtung!
Aaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh! Achtung! Achtung! Achtung!

Europa, Ach Europa ach Europa,
Judenbrut, Armenierbrut, Kurdenbrut!
Achtung! Achtung! Achtung!
Spione, Feinde, Verschwörer! Parallelstrukturen! USA, Pensylvania! Achtung!

Alles bestens! Respekt!
Kommt zurück, kommt zum Präsidenten! Kommt zu eurem Präsidenten!
Hier ist alles gut! Respekt! Achtung! Geld! Achtung! Allah! Achtung!
Der Präsident ist deine Mutter! Respekt! Respekt! Respekt! Liebe! Liebe!
Der Präsident! Achtung! Achtung! Der Prophet!
Der Präsident ist die Verfassung!
Der Präsident ist in guter Verfassung! Alles bestens, Achtung! Respekt!

Hurensöhne! Hurensöhne! Hurensöhne! Hurensöhne! Achtung!
Geld! Geld! Respekt! Achtung! Hurensöhne! Achtung!
Deine Mutter! Achtung! Allah! Kopftuch! Achtung! Kopftuch! Achtung!
Ehre! Moral! Tugendhaftigkeit! Hurensöhne! Verschwörer! Achtung!

Geld! Hurensöhne!
Deine Mutter! Nimm deine Mutter und hau ab! Respekt!
Alles bestens! Der Präsident!
Achtung! Der Präsident! Respekt! Ehre! Frauen! Kopftuch! Atatürk! Achtung!

Achtung Achtung! Viel Geld! Achtung! Viel Geld!
Verdammt viel Geld! Neid! Neid!
Macht! Weltmacht! Achtung! Respekt! Alles gut!

Respekt! Achtung!

Es ist alles bestens…

Achtung! Achtung! Respekt! Achtung!

Der Präsident! Der Präsident! Der Lange! Der Meister! Der Weisenrat! Das Geld!

Achtung! Achtung!

Allah! Der Prophet! Der Präsident! Achtung!

Deine Mutter!
Der Präsident ist deine Mutter!
Der Präsident ist die Verfassung!
Der Präsident ist in guter Verfassung!

Achtung!

Alles gut, alles bestens!

Respekt!

Achtung!

Erstellt für die gleichnamige Aktion von westendwork im Rationaltheater München am 14.05.16.

Gelesen von Sabahat Ünal

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Dikkat Dikkat!
Hahahahaha!
Dikkat! Herşey yolunda. Merak etmeyin! Saygı! Dikkat!

„34 MIT 1908“ pilakalı araba!
Siperde kal!
Siperde kal!

Dikkat!
Karibik’den Selfie paylaşabilirsin.
Orada Atamin büstü var, Havana’da.
Selfie paylaşabilirsin.
Dikkat! Dikkat! Atam! Saygı! Dikkat! Saygı! Dikkat!

Allah büyüktür ve Hazreti Muhammed Peygamberi’dir!
Ve Atlantik ötesindeki ilk Cami de orada inşa edilmiş zaten, Dikkat!
Havana’da.
Dikkat!
Başkan Havana’daydı.
Dikkat! Dikkat! Allah, Hazreti Muhammed, Peygamber, Başkan, Saygı! Dikkat! Dikkat!

Orospu çocukları! Orospu çocukları! Orospu çocukları! Orospu çocukları! Orospu çocukları! Orospu çocukları! Orospu çocukları!
Saygı! Saygı! Saygı! Saygı! Saygı! Saygı! Saygı!
Başkan! Atam! Dikkat! Dikkat!
Saygı! Dikkat!

Eee? Döndün mü? Ha? Nasıl gidiyor?
Dikkat! Dikkat! Saygı! Saygı!
Erkek! Kadın! Kadın! Kadınlar! Dikkat!
Allah! Allah! Atam! Saygı! Başkan! Atam! Dikkat!

Yollar!
Nereden geldi o yollar?
Şu yollara bak! Yaaaaa! Yollar! Şükürler olsun o yolları yapana! Dikkat!
Binalar, Yollar, Binalar, Yollar, Dikkat! Dikkat! Saygı! Saygı!
Dikkat! Dikkat!
Köprüler, binalar, yollar, cam yüzeyler, renkli camlar, binalar, yüksek binalar,
Çooook yüksek binalar!
Çooook yüksek modern binalar! Dikkat! Köprüler! Metrolar! Para!
Dikkat! Dikkat! Saygı! Dikkat! Başkan! Dikkaaaat!

Dikkat! Dikkat!
Tehlikeli bir hücre! Dikkat! Diiiiiiiiikkaaaaaaaaaaaaaat!
Dikkat! Başkan! Atam! Başkan! Allah! Allah! Atam! Saygı! Dikkat! Saygı! Dikkat! Dikkat! Atam! Dikkat!

Dikkat!
Dikkat! Dikkat!
Başkan namaza duruyor. Saygı! Dikkat! Atam! Dikkat! Para! Dikkat!
Başkan! Başkan! Başkan! Başkan! Başkan! Başkan! Usta! Uzun adam! Büyük adam! Ilah gibi Başkan!
Padişah! Der Halife! Dikkat! Dikkat!
Başkan. Başkan Atam’ün anasıdır!
Dikkat! Dikkat! Dikkat! Saygı! Dikkat!
Başkan senin de Anandır! Dikkat! Dikkat! Saygı! Saygı!

Herşey yolunda. Saĝ olun! Saĝ olun!
Hahah.
Biz herşeyi yeniliyeceĝiz.
Dikkat Dikkat!
Biz, biz, biz, biiiiiz!!
Biz herşeyi yeniliyeceĝiz!
Biz herşeyi yeniliyeceĝiz! Dikkat!
Herşeyi yeniliyeceĝiz. Saygı! Para! Dikkat! Dikkat! Herşey yolunda.
Erkekler, kandınlar, baş örtüleri! Herşey yolunda! Dikkat! Peygamber!

Dua. Inşa. Dua. Inşa.
Dikkat!
Allah!
Dikkat!
Para! Para! Para! Para! Para! Para! Para! Para! Para! Para! Para! Para! Para!
Allah!
Padişah! Halife! Osmanlılar! Türkler! Babalar! Dikkat!
Saygı!
Çok para! Çok fazla para! Bok gibi Paraaaa! Hahahahahaaaaa!
Dikkat!
Saygı!
Dikkat!
Allah!
Atam! Dikkat! Saygı! Başkan! Başkan!
Annen! Dikkat! Saygı! Dikkat!

Herşey iyi!
Herşey yolunda! Dikkat!
Başkan! Başkan! Allah! Atam! Allah! Para! Saygı! Anan!
Dikkat!
Karın! Dikkat!
Karıların! Dikkat! Dikkat!
Kızın, kardeşin! Saygı! Saygı! Ölüm! Saygı! Dikkat!

Biber gazı! Biber gazı! Biber gazı! Biber gazı! Biber gazı! Biber gazı! Biber gazı! Biber gazı!
Biz heryeri temizleyeceĝiz! Dikkat! Heryer temizlenecek! Herşey iyi olacak!
Saygı!

Avrupa!
Avrupa!
Avrupa!
Yahudiler, Ermeniler, Kürtler, düşmanlar. Dikkat! Dikkat!
Aaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh! Dikkat! Dikkat! Dikkat!

Avrupa, Ah Avrupa aah Avrupa,
Yahudi dölü, Ermeni dölü, Kürt dölü!
Dikkat! Dikkat! Dikkat!
Ajanlar, düşmanlar, hainler! Paralel yapı! USA, Pensilvenya! Dikkat!

Herşey yolunda! Saygı!
Gelin gelin, gelin Başkanınıza gelin! Başkanınıza dönün!
Burada herşey iyi! Saygı! Dikkat! Para! Dikkat! Allah! Dikkat!
Başkan anandır! Saygı! Saygı! Saygı! Liebe! Liebe!
Başkan! Dikkat! Dikkat! Peygamber!
Başkan anayasadır!
Başkanın durumu çok iyi! Herşey yolunda, Dikkat! Saygı!

Orospu çocukları! Orospu çocukları! Orospu çocukları! Orospu çocukları! Dikkat!
Para! Para! Saygı! Dikkat! Orospu çocukları! Dikkat!
Anan! Dikkat! Allah! Baş örtüsü! Dikkat! Baş örtüsü! Dikkat!
Şeref! Ahlak! Namus! Orospu çocukları! Verschwörer! Dikkat!

Para! Orospu çocukları!
Anan! Ananı al da git! Saygı! Güç!
Herşey yolunda! Başkan!
Dikkat! Başkan! Saygı! Şeref! Kadinlar! Baş örtüsü! Atam! Dikkat!

Dikkat Dikkat! Çok para! Dikkat! Çok para!
Hayal edemedigin kadar çok para! Kıskançlık! Çekememezlik!
Güç! Süper güç! Dikkat! Saygı! Herşey iyi!

Saygı! Dikkat!

Herşey yolunda…

Dikkat! Dikkat! Saygı! Dikkat!

Başkan! Başkan! Uzun adam! Usta! Akil insanlar! Para!

Dikkat! Dikkat!

Allah! Peygamber! Başkan! Dikkat!

Anan!
Başkan senin anandır!
Başkan anayasadır!
Başkanın durumu çok iyi!

Dikkat!

Herşey iyi, Herşey yolunda!

Saygı!

Dikkat!Dikkat Dikkat!
Hahahahaha!
Dikkat! Herşey yolunda. Merak etmeyin! Saygı! Dikkat!

„34 MIT 1908“ pilakalı araba!
Siperde kal!
Siperde kal!

Dikkat!
Karibik’den Selfie paylaşabilirsin.
Orada Atamin büstü var, Havana’da.
Selfie paylaşabilirsin.
Dikkat! Dikkat! Atam! Saygı! Dikkat! Saygı! Dikkat!

Allah büyüktür ve Hazreti Muhammed Peygamberi’dir!
Ve Atlantik ötesindeki ilk Cami de orada inşa edilmiş zaten, Dikkat!
Havana’da.
Dikkat!
Başkan Havana’daydı.
Dikkat! Dikkat! Allah, Hazreti Muhammed, Peygamber, Başkan, Saygı! Dikkat! Dikkat!

Orospu çocukları! Orospu çocukları! Orospu çocukları! Orospu çocukları! Orospu çocukları! Orospu çocukları! Orospu çocukları!
Saygı! Saygı! Saygı! Saygı! Saygı! Saygı! Saygı!
Başkan! Atam! Dikkat! Dikkat!
Saygı! Dikkat!

Eee? Döndün mü? Ha? Nasıl gidiyor?
Dikkat! Dikkat! Saygı! Saygı!
Erkek! Kadın! Kadın! Kadınlar! Dikkat!
Allah! Allah! Atam! Saygı! Başkan! Atam! Dikkat!

Yollar!
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Dikkat! Dikkat!
Köprüler, binalar, yollar, cam yüzeyler, renkli camlar, binalar, yüksek binalar,
Çooook yüksek binalar!
Çooook yüksek modern binalar! Dikkat! Köprüler! Metrolar! Para!
Dikkat! Dikkat! Saygı! Dikkat! Başkan! Dikkaaaat!

Dikkat! Dikkat!
Tehlikeli bir hücre! Dikkat! Diiiiiiiiikkaaaaaaaaaaaaaat!
Dikkat! Başkan! Atam! Başkan! Allah! Allah! Atam! Saygı! Dikkat! Saygı! Dikkat! Dikkat! Atam! Dikkat!

Dikkat!
Dikkat! Dikkat!
Başkan namaza duruyor. Saygı! Dikkat! Atam! Dikkat! Para! Dikkat!
Başkan! Başkan! Başkan! Başkan! Başkan! Başkan! Usta! Uzun adam! Büyük adam! Ilah gibi Başkan!
Padişah! Der Halife! Dikkat! Dikkat!
Başkan. Başkan Atam’ün anasıdır!
Dikkat! Dikkat! Dikkat! Saygı! Dikkat!
Başkan senin de Anandır! Dikkat! Dikkat! Saygı! Saygı!

Herşey yolunda. Saĝ olun! Saĝ olun!
Hahah.
Biz herşeyi yeniliyeceĝiz.
Dikkat Dikkat!
Biz, biz, biz, biiiiiz!!
Biz herşeyi yeniliyeceĝiz!
Biz herşeyi yeniliyeceĝiz! Dikkat!
Herşeyi yeniliyeceĝiz. Saygı! Para! Dikkat! Dikkat! Herşey yolunda.
Erkekler, kandınlar, baş örtüleri! Herşey yolunda! Dikkat! Peygamber!

Dua. Inşa. Dua. Inşa.
Dikkat!
Allah!
Dikkat!
Para! Para! Para! Para! Para! Para! Para! Para! Para! Para! Para! Para! Para!
Allah!
Padişah! Halife! Osmanlılar! Türkler! Babalar! Dikkat!
Saygı!
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Dikkat!
Saygı!
Dikkat!
Allah!
Atam! Dikkat! Saygı! Başkan! Başkan!
Annen! Dikkat! Saygı! Dikkat!

Herşey iyi!
Herşey yolunda! Dikkat!
Başkan! Başkan! Allah! Atam! Allah! Para! Saygı! Anan!
Dikkat!
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Saygı!

Avrupa!
Avrupa!
Avrupa!
Yahudiler, Ermeniler, Kürtler, düşmanlar. Dikkat! Dikkat!
Aaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh! Dikkat! Dikkat! Dikkat!

Avrupa, Ah Avrupa aah Avrupa,
Yahudi dölü, Ermeni dölü, Kürt dölü!
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Gelin gelin, gelin Başkanınıza gelin! Başkanınıza dönün!
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Başkan anandır! Saygı! Saygı! Saygı! Liebe! Liebe!
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Herşey yolunda…

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Dikkat! Dikkat!

Allah! Peygamber! Başkan! Dikkat!

Anan!
Başkan senin anandır!
Başkan anayasadır!
Başkanın durumu çok iyi!

Dikkat!

Herşey iyi, Herşey yolunda!

Saygı!

Dikkat!

Metin westendwork‚ün Münih Rationaltheater’de 14.05.16 tarihinde gerçekleşen „Herşey yolunda“ adındaki etkinliĝi için yazılmıştır.

Wen zum Teufel interessiert eigentlich das Bernsteinzimmer?

27-bernsteinzimmer

Bernsteinzimmer

Jetzt stelle man sich mal vor, das Bernsteinzimmer würde gefunden werden. Irgendwo in Polen in einem bisher unentdeckt gebliebenen Nazibunker. Ich sag nur soviel: Preußenkönig Friedrich Wilhelm I hatte es dem Zaren Peter dem Großen 1716 geschenkt und die grießgrämigen Nazis haben es im Zarenpalast Zarskoye Selo 1941 wieder demontiert und zurück in die Heimat verfrachtet, wo die gesamte Ausstattung des Zimmers dann nach Kriegsende verloren ging.
Ich kann mich noch erinnern, als ich in den 90ern auf einer Exkursion in Russland die Gelegenheit hatte, den Zarenpalast zu besuchen und wirklich zutiefst in meiner deutschen Seele getroffen war, als ich diese billigen Imitate an den Wänden des Zimmers sah, das früher so prunkvoll ausgestattet war.
Wie weit das alles doch jetzt ist? Bernstein, König Friedrich, Zar Peter, die Nazis und der ganze Muckefuck? Bernstein ist ja wunderschön, aber eingebaut in diese riesigen Tafeln in so ein überladenes Barockensemble? Das sieht doch scheisse aus, ganz ehrlich, als ob das Zimmer mit Kacke und Gold eingeschmiert wär und zwischen drin so Büsten auf Sockeln und güldene Leuchten und so’n kram. Wer braucht denn den Schmarrn ganz ehrlich? Das wollt ich nur mal gesagt haben, auch wenn das gerade nicht viele interessiert. Wie bin ich jetzt drauf gekommen? Ach ja. Alle reden über Frauke Petry gerade, da dachte ich mir, ich mach mal ein anderes Fass auf. Is in die Hose gegangen ok.

Apropos Frauke Dingsda. Die hat ja jetzt in München im Hofbräukeller gesprochen und der Wirt wollte in letzter Minute absagen. Alle fanden den Wirt ganz toll, weil man ihm gleich Zivilcourage andichten wollte. Dabei war der alles andere als mutig. Mit Frauke und der AFD hat der wohl am geringsten Probleme gehabt, sonst hätte er ja Ende April nicht einen Vertrag mit denen unterzeichnet? Der hatte tatsächlich – nach eigener Aussage – Anst vor gewaltbereiten Gegendemonstranten! Das nur zur Info. Mehr will ich dazu nicht sagen, weil ich’s so richtig nebensächlich finde. Ich boykottiere den Laden schon seit langem und das rate ich auch sonst jedem/r.

Aber im Zuge der Promotour von Fraukelein gab es tatsächlich einen Vorfall in Landau, der mich wirklich überrascht hat, nachdem ich ja in einem meiner letzten Einträge, Landau als potentiellen Aufenthaltsort mindestens eines Sonderexemplares von niederbayerischen Hurensöhnen gedisst hatte (s. http://blog.triptown.de/?p=1241): Frauke hat also auch in Landau gesprochen und wurde tatsächlich mit frechen Anti-AFD-Flyern konfrontiert. Empört wandte sie sich vor ihrer Rede an die Hörerschaft im Saal und forderte die Urheber der Flugblätter auf, sich persönlich dazu zu äußern. Nach anfänglichem zögern, traten dann ein paar Schülerinnen und Schüler vor, erhielten von ihr das Mikrophon und ließen anscheinend Statements ab, die inhaltlich den geistigen Horizont von dear Frauke so sehr überforderten, dass sie die Jungs und Mädels kurzerhand von ihrer Security rausschmeissen liess. Also freue ich mich nun, berichten zu können, dass es in Landau mindestens 5 richtig coole arschtighte Kids gibt, die Grips in der Birne haben und das Herz am rechten Fleck! Big Up! (http://www.pnp.de/region_und_lokal/landkreis_dingolfing_landau/2074438_Petry-in-Niederbayern-Landauer-Schueler-bieten-AfD-Chefin-die-Stirn.html).

40_tage

40 Tage des Musa Dagh von Nuran David Calis im Residenztheater München 2016

Zu guter letzt möchte ich noch ein Theaterstück ansprechen, zu dessen Premiere im Residenztheater München ich mich befand: „Die 40 Tage des Musa Dagh“ – eine mutige Bühnenadaptation des gleichnamigen Romans von Franz Werfel aus dem Jahr 1932, inszeniert von Nuran David Calis, dem es erfreulicherweise weniger darum ging, die bedrückende und gleichzeitgig epische Geschichte in einem dramatischen Theatermarathon auf die Bühne zu bringen, als die tatsächlich relevanten Fragen, die uns heute – nach einem geschlagenen Jahrhundert – immer noch plagen und uns an ihren Antworten zweifeln lassen. Der Regisseur wagt trotzdem den müßigen Schritt und lässt seine Darstellerinnen und Darsteller sich zu eben diesen Antworten hinarbeiten. Was am Anfang die Befürchtung hochkommen lässt, in Wiederholungsschleifen von mühsamen Monologen auszuarten, die ewig und immer wieder auftauchenden Themen erneut aufzuwärmen und so dem eh schon niedergeschlagenen Gewissen des Besuchers aufzutischen, entpuppt sich durch einen genialen Geniestreich als eine Erleuchtung: die beiden Hauptprotagonisten sind tatsächlich armenischer () und türkischer Abstammung () und tatsächlich haben beide Familiengeschichten, die von ethnischer Repression und Verfolgung durch die jeweils andere Dominanzkultur geprägt sind.
Ismail Deniz stammt von einer Familie aus dem nordostanatolischen Erzurum. Seine Grosseltern wurden damals durch armenische Truppen, die sich mit den Russen solidarisierten, aus ihrem Dorf getrieben. Daron Yates stammt von einer armenischen Familie aus Anatolien ab, die ebenfalls – so wie viele – einer Verfolgung unterlegen ist. Durch das effektive Zusammenspiel von gut ausgewählten historischen Zitaten, die auch die Beteiligung der deutschen und alliierten Militärs und Politiker an diesem Völkermord deutlich machen und nachgespielten Szenen aus Werfels Buch – alles übrigens auch eindrucksvoll schauspielerisch gespielt und dargeboten durch die übrigen Darstellerinnen und Darsteller -, entfaltet sich ein Erzählstrang, der dem Zuschauer, nach all der Verwirrung der verschiedensten Perspektiven die Möglichkeit eröffnet, übergreifende Empathie zu spüren, ohne ihn nur in eine Deutungsformel einzuengen.
Nuran David Calis ist sich anscheinend der vielen verschiedenen Perspektiven auf dieses schwierige Thema bewusst und hat diese auch zutiefst verinnerlicht, was auch seiner eigenen türkisch-armenischen Biographie geschuldet sein mag. Mit diesem Stück schafft er es nun tatsächlich, durch Nutzung einer schlanken Datendurchsetzung und dem sparsamem Einsatz von pathetischer Dramatik, das wesentliche im tiefen inneren unseres menschlichen Wesens anzusprechen. Er beweist damit, dass uns nichts übrigbleibt, als mit all unserer Kreativität und Aufrichtigkeit immer wieder an diese schweren und erdrückenden Inhalte zu wagen, ja dass sich dies auch lohnt und dankbar aufgenommen wird, wenn man sich nur der richtigen Methoden bedient und sich die Freude am Erzählen nicht nehmen lässt. Die Karten sollen für die bisher ausgeschriebenen Vorstellungen schon Ausverkauft sein. Das schreit wohl nach weiteren Terminen?

Darstellerinnen und Darsteller:
Ismail Deniz
Friederike Ott
Michaela Steiger
Simon Werdelis
Daron Yates
Bijan Zamani

Regie: Nuran David Calis
Bühne: Irina Schicketanz
Kostüme: Amélie von Bülow
Musik: Vivan Bhatti
Licht: Uwe Grünewald
Dramaturgie: Angela Obst

Dran bleiben!

Afghanistan sah so schön aus früher.
Hast du die Bilder gesehen? Hat so ein Amerikaner geschossen wohl in den Sixties. Da haben die Frauen dort Miniröcke getragen?

Wahnsinn, hätt ich ja nie gedacht. Im Iran übrigens auch – mußte dir mal Bilder ansehen von damals, echt unglaublich.

Und in der Türkei auch. Unglaublich. Die sehen auch richtig nett aus die Leute auf den Fotos. Da denk ich mir fast, wie’s wohl wäre, wenn jetzt damals wäre und man dort Urlaub machen könnte?

Sogar in Tunesien, Marokko und Algerien sahen die Menschen viel fortschrittlicher und glücklicher aus, als jetzt.

Es gibt sogar Fotos von der Bin Laden Familie im Urlaub in Schweden oder so. Ja, die Familie von Osama Bin Laden. Alle sehen so fortschrittlich aus.

bin_ladens_in_schweden

Fort
Schritt
Fort
Schritt
Fort
Schritt

Und jetzt? Jetzt sind sie fortgeschritten.

Wohin sind die fortgeschritten? Ja, aber die sind ja ganz weit fortgeschritten von uns?
Und warum?
Wir sind doch so schön?

Interessant: mindestens ein Exemplar einer Sonderspezies der Bayern in Landau entdeckt!

Also hier lustige Geschichte:
Ihr kennt hoffentlich alle die Band „Unterbiberger Hofmusik„? Wenn nicht, dann würde ich sie euch gerne nahelegen. Diese bayerische Volksmusikcombo besteht in ihrem Kern aus der Familie Himpsl mit Papa, Mama, den drei Söhnen und im weiteren aus Musikern aus dem engeren Umkreis der Freunde der Familie.

Franz Himpsl, der Papa und Bandleader (so wie sich das bei richtigen Bayern gehört), ist seit längerem mein enger Freund. Franz interessiert sich schon seit langem für türkische Musik und lernt auch schon seit Jahren Türkisch. Natürlich haben die Unterbiberger auch eine große Bandbreite an türkischer Musik in ihrem Repertoire. Sie geben sich ausserordentlich Mühe mit dem Liedgut und spielen die Stücke mit viel Liebe und Herzblut. Das zeichnet sie aus. Dafür sind sie bekannt und haben auch schon so einige Preise eingeheimst.
Der Franz und ich, wir mailen des öfteren auf türkisch und bayrisch hin- und her. Ich lerne von ihm so einige bayrische Floskeln. Dafür Versorge ich ihn mit Grundkenntnissen im Türkischen. Dabei achten wir beide besonders auf Rechtschreibung, Satzbau und korrekte Inhalte, damit der effektive Lerneffekt möglichst gewahrt bleibt.
Jetzt habe ich aber letztens eine Mail von ihm erhalten, die mich ziemlich schockiert hat. Im Anhang der Mail befand sich die Abbildung eines mit Schreibmaschine verfassten Beschwerdebriefes eines „ehemaligen Fans“ der Unterbiberger (adressiert aus Landau), der sich darüber echauffierte, dass die Band diesmal bei einem Konzert in Landshut zu viele türkische Lieder gespielt habe. Das wäre nicht gut, denn wenn man sich in Bayern mal umhören würde, dann würde man ziemlich schnell merken, dass die Bayern die Türken gar nicht gerne mögen und dass er deswegen die Unterbiberger nicht mehr favorisiere, auf keine Konzerte mehr kommen werde und den Newsletter abbestellen werde.
Daraufhin dachte ich mir: „der arme Franz. Ich muß dem was Aufmunterndes schicken“ und ich verband diese Aufmunterungsaktion mit einem ausgeweiteten Türkischkurs. Ich fand, die Zeit war jetzt reif, um Franz mit den höheren Weihen der türkischen Sprache bekannt zu machen.
So schrieb ich folgende Zeilen in der Hoffnung, Franz würde sich an der Übersetzung einer etwas ausgefalleneren Textpassage erfreuen: „Aaaaa! çok ilginç bir keşif: demek ki Landau’da en az bir bavyeralı orospu çocuĝu varmış! Onu da Allahın izni ile Tayyip Erdoĝan siksin!„, was soviel heisst wie: „Aaaaah, sehr interessante Entdeckung! Es gibt also in Landau mindestens einen bayerischen Hurensohn! Den möge doch – so Gott will – Tayyip Erdoĝan ficken!
Natürlich war das nicht für die Öffentlichkeit gedacht, aber der Franz hat wohl – nachdem er die türkischen Zeilen leicht überflogen hatte – sich gedacht: „Ah das ist sicher ne coole Antwort vom Triptonious Coltrane und hat das Ding tatsächlich an seinen türkischsprachigen Mailverteiler weitergeleitet (mit meiner Namensangabe im Zitat).
Nun hängt ja mein Ruf in der seriösen türkischen Community eh schon tief genug. Da kann man sich gar nicht mehr vorstellen, wie weit derselbige dadurch noch weiter gesunken ist.
Aber Wurscht. Jetzt weiss mein lieber Franz zumindest, was Hurensohn und ficken auf türkisch heissen. Den Landauer Nuttenbengel hab ich schon bei der türkischen Botschaft denunziert. Dem wird das Maschinenschreiben vergehen, wenn erstmal Visafreiheit herrscht, mein lieber Schorli! Aber wer weiss: vielleicht kümmert sich ja in vorauseilender Sorge die Bundeskanzlerin persönlich um ihn?

Weitere empfehlenswerte bayrische Bands:
– Da Ding (http://www.da-ding.de)
– Koflgschroa (http://www.kofelgschroa.by)
– Zwoasta (http://www.zwoastoa.de/).

Das sind meine bayrischen Lieblingsbands momentan. Es gibt sicher auch mehr hörenswertes hierzulande, aber das sind halt auch meine Spezln, woast. Und des is auch wichtig.

Triptonious Coltrane

P.S.: Alle diskriminierenden Ausdrücke und Bezeichnungen in diesem Text sind allein im ironischen Zusammenhang zu sehen. Der Autor distanziert sich bis auf Weiteres von der einseitig-humorlosen Lesart derselben.

Ja ja deine Nation!

Bist du stolz auf deine Nation? Wie armselig bist du denn? Hallo! Deine Nation ist irrelevant. Auf jeden Fall irrelevanter als deine Nationalmannschaft. Ich weiss, das war mal anders. Aber die Zeiten sind schon lange vorbei…leider. Jetzt lässt sich die Bundeskanzlerin von sonem dahergelaufenen Erdogan an der Nase rumführen.
Naja. Fakt ist, dass heutzutage sogar der Irak nationale Grenzen besitzt. Ja, der Irak ist eine Nation mit Nationalfahne und Nationalhymne!
Ich finde ja: je mehr gerade Linien und rechte Winkel den Verlauf der Grenzen eines Landes prägen, desto interessanter die Entstehungsgeschichte. Da tauchen dann so Gestalten auf wie: Gertrude Bell, T. C. Lawrence, Mark Sykes, François Georges-Picot, Max von Oppenheim etc. Dann liest man sich so ein bisschen ein und muss sich schon wundern über diese Typen da im Nahen Osten. Was wollen die eigentlich?
The West rules! Und das war schon immer so. Das sollten die endlich mal einsehen. Wir haben deren Grenzen gezogen, sie in Kriege verwickelt und ihre Nationalökonomien in Abhängigkeiten gebracht. Wir haben die nach Strich und Faden ausgenommen. Das ist harte Arbeit.
Und was machen die jetzt, wo wir gerade mal unsere wohlverdiente Ruhe genießen wollen? Die hauen jetzt einfach dort ab und meinen, sie könnten mitsamt ihrer lausigen Kultur einfach hierherkommen, Parties feiern mit so schrecklichen Namen wie „Eksotik Meksotik„, wo Raki und Ouzo in Strömen fliessen. Dann bringen sie auch noch leckere selbstgemachte Vorspeisen mit, spielen ihre Musik live und tolle Dj’s gibt’s da auch noch. Aber vor allem diese Musik! Schlimm. Echt Schlimm. Da kommt man ja nie zur Ruhe!
Und die posten das auch noch auf Facebook. Schaut euch das mal an. Denen geht’s richtig gut: https://www.facebook.com/events/840467762731409/?active_tab=posts

Der Meisterakrobat von Panama

Er stand inmitten seines geräumigen Büros. Die Telefone surrten und bimmelten. Keiner war sonst da, er hatte alle Mitarbeiterinnen und Angestellten hinausgeschickt, und ihnen gesagt, sie sollen eine kleine ausserplanmässige Pause einlegen, sich für eine halbe Stunde in irgendeines dieser kleinen schicken Businesslounge-Cafés setzen. Er konnte ihre Blicke nicht mehr ertragen, ihre besorgten Blicke, ihre kurzen Atemstösse, ihr Ächzen und Schnaufen.

Nur kurz alleine sein. Ganz kurz nur. Das war alles, was er sich gewünscht hatte. Er klammerte sich an diesen Moment im vollen Bewusstsein, dass eine solche Stille in den nächsten Tagen und Wochen nur selten wiederkehren würde.

Da stand er nun in seinem gewöhnlich schicken Anzug und wunderte sich nur. Seit Jahren betrieb er jetzt schon dieses Geschäft. Für ihn war es reine Routine. Aber seit ein paar Tagen war sein Leben völlig auf den Kopf gestellt. Der Tag donnerte dahin wie ein Tsunami und schien alles mit sich zu reissen. Er spürte förmlich den Druck der Ereignisse auf seiner Haut. Der Stoff seines Hemdes zerknitterte darunter. Sein Körper war schweissnass. Klebriger, kalter Schweiss rann an seinem Oberkörper entlang. Sammelte sich in Falten und Ritzen seiner Haut, sammelte sich und vereinzelt schossen die eisigen Tropfen weiter. Sie fühlten sich an wie winzige Murmeln, die ihn für einen Bruchteil der Sekunde zusammenzucken liessen.

Sein Büro ist zur Hölle geworden. Die Mittelsmänner des FBI, die Sonderkommission, Staatanwälte, Polizisten, Journalisten. Ständig klingelte es. Er traute sich gar nicht mehr den Computer einzuschalten. Wie ein getriebenes wildes Tier im Käfig lief er hin und her, zwischen der getönten Glasscheibe mit Ausblick auf die Panoramaterrasse und seinem ausladenden, gewundenen massiven Bürotisch aus edlem dunklen Tropenholz.

Es fühlte sich komisch an. So als ob er zusammen mit dutzenden anderen Akrobaten auf dem Trapez zugange gewesen wäre und plötzlich gerade die Halterung riss, die sein Arbeitsgerät an der Decke des Zeltes verankert hielt.

Die bittere Gewissheit tritt wohl Blitzschnell ein in einem solchen Moment? In Sekundenbruchteilen nahm er die erschreckenden starren Blicke seiner Kolleginnen und Kollegen wahr, Sie schienen alle etwas zu wissen, was er nicht wusste. Sie wohnten seinem Fall mit erstaunlich eisig kalten Blicken bei. Vorahnung, Wissen und Ensetzen spiegelten sich in ihnen wieder. Dumpf prallte er mit dem Rücken auf den Zirkusboden. Etwas knackte an seinem Hinterkopf. Das Geräusch weckte Ekel in ihm. Noch spürte er keinen Schmerz. Nur Entsetzen. Wie oft hatte ihm die Vorstellung an diesen Moment schon den Schlaf geraubt? Wie oft war er schon aus wirren Träumen aufgefahren? Jetzt wurde der Schrecken wahr.

Für einen kleinen Moment stand die Stille im Raum wie Betonblock. Dann die Schreie und das Chaos. Der Zirkusdirektor warf seine Peitsche in hohem Bogen auf den Boden, liess einen laut hallenden Schrei von sich und sprang mit ausfallenden Schritten an die Unfallstelle. Seine Brust bebte auf und ab, während er sich mit herabfallenden Haarsträhnen und wildem Blick über den Akrobaten beugte. Staub wirbelte hoch. Kurz bevor das Bild in seinen Augen verschwamm, erkannte der Akrobat den abgebrühten Blick in diesem Gesicht, dass ihm bisher so vertraut gewesen war. Er kannte jede Pore und er spürte tiefe Verleumdung und Verrat in den letzten Momenten, an denen gleichzeitig sein ganzes Leben vor ihm vorbeitänzelte, wie ein zu schnell abgespulter Stummfilm.

Er spürte Meuchelei. Es war, als ob sein Leib in Schauder buchstäblich erfror. Sein Atem stockte. Es ging alles so schnell. Ein Kopf nach dem anderen streckte sich über ihn und verdunkelte seine Umgebung. Einer nach dem anderem wölbten sie sich über ihn, die Lichter der grellen Scheinwerfer bedeckend, die ihn ein letztes mal noch blendeten, bevor endgültig die Dunkelheit über sein Bewusstsein einbrach.

panama

Der Kanal

Alle haben es gewusst. Dieses Trapez hat seit Jahren gehalten und funktioniert und die Stabilität der Hängekonstruktionen im Zelt war ihnen allen heilig! Sie wurden regelmässig kontrolliert. Eigentlich täglich! Jeder wusste das genau: wenn ein Unfall passiert, dann ist es kein Unglück. Einer der Akrobaten wurde geopfert. In diesem Falle war er es.

Er zuckte jäh auf aus seinem sekundenbruchteile währenden Tagtraum. Es war ein Alptraum und die Zeit war wie eine dicke Schicht, die zwischen ihm und seinem Bewusstsein stand. All seine Kunden. Er konnte nicht einmal ansatzweise absehen, welche Daten schon in die Hände dieser Aasgeier gefallen waren. Die Angaben von Terrabyte-Zahlen hallten in seinem Kopf wieder. Panik wechselte sich ab mit der Ruhe der verzweifelten Gewissheit vom unumgänglichen Ende.

Das Ende. Es war jetzt zum greifen nahe. „Jetzt nur die Nerven behalten. Nerven behalten, wofür? Alles war nun verloren“! Alles, was er sich aufgebaut hatte in all den Jahren, seit der Krise der New Economy, damals zur Jahrtausendwende. Sein Kopf knickte nach vorne über die Brust. Die Arme hingen an seinem Körper herab wie Tauwerk an einem Frachtschiff im Verladebecken.

„Dementieren, dementieren. Ich werde alles dementieren. Diese dreckigen Schweinehunde. Dieses Hurenpack!“ zischte er und erschrak vor seiner eigenen Stimme, die klang wie von verblutendem Schlachtvieh. „Sie haben mich ausgenommen und abgeliefert! Aber wie kann das sein? Die wissen doch, dass ich auch alles weiss? Also muss das eine grosse, eine sehr grosse Nummer sein! Eine verdammt grosse Nummer. Verdammte Scheisse. Verflucht nochmal!“ Er donnerte mit dem Handballen gegen die Wand. Presste die Stirn gegen sie und spürte, wie sein Leib schwerer wurde und ihm die Tränen kamen: „Sie lassen tatsächlich alle fallen. Alle werden fallen! Das ist unglaublich….“

Die Verzweiflung überkam ihn und er trat an die Glasfront seines Büros, das sich im obersten Stockwerk eines geschwungen und elegant sich in die Höhe windenden Wolkenkratzers befand, weit oben an der Anhöhe mit einem Rundumblick über die Mündung des Kanals, das Delta, das Meer und mit der gleissenden Sonne, die die Glassfassaden der monumentalen Businesstowers smaragdfarben zum glitzern brachte. Er trat hinaus auf die Terrasse, denn er konnte nicht einmal das gedämpfte dunkeltürkise Licht der getönten Scheiben ertragen, dass er sonst so genossen hatte, besonders an den Abenden, an denen er dann mit genüssliche eine edle Havanna rauchend in die Glut der Sonne starrte und ihm sein Tageserfolg durch den Kopf ging.

Er brauchte Licht und vor allem Luft!  Wie schön es doch wehte hier oben? Seitdem er hier eingezogen war, vor knapp 6 Jahren, war er vielleicht ein oder zweimal hier hinausgetreten. Eine Schande! Nun wünschte er sich, er hätte es öfter getan. Diesen Anblick würde er bald…sehr bald sehr vermissen.

Er lockerte die Krawatte, während er an das Geländer trat. Weit unten hörte er das Meeresrauschen, das in das sanfte Summen des Windes überging. Er hörte die Telefone läuten und summen. Wie anders das doch jetzt klang, wie bedrohlich, wie unangenehm? Er war einer der besten seines Fachs gewesen und die alltäglichen Bürogeräusche, die bisher wie eine fein komponierte Untermalung seines Erfolges klangen, hämmerten nun grausam auf ihn ein, schlimmer als dieser entsetzliche Noiserock, den seine Kinder von früh bis spät hörten. Er musste vor ihnen fliehen, weit hinaus auf das Meer würde er jetzt gerne schwimmen. Wenn er nur frei wäre. Frei wie eine dieser Möwen, die ab und an krächzend um das Gebäude schwebten. Er würde bis zum Horizont fliegen und mit den Walen um die Wette eifern. Er war ein Meisterakrobat gewesen. Er hatte an die Konstruktion geglaubt. Er war einst der Garant ihrer Stabilität. Er hatte mit Millarden jongliert und hunderte Konten gleichzeitig für all seine Kunden verwaltet. Er war der Star des Offhore-Geschäfts und steuerte hunderte von Breifkastenfirmenbossen, die am Fliessband Deals unterschrieben. Er wusste genau, was das für Geschäfte waren und er wusste genau, dass es sehr schwer war, die Wege der Transaktionen und die komplexen Zusammenhänge der Geschäftsverhältnisse nachzuvollziehen. Hallo! Er wusste genau, wer ihm dieses Imperium ermöglicht hatte. Eigentlich war es ein bombensicheres Geschäft. Und jetzt sollte er fallen? Wenn er fiel, dann würden viele andere mitfallen und das sind nicht irgendwelche kleinen Banker an der Wallstreet und in London. Es sind grosse Namen. Das nimmt doch keiner in kauf? Es sei denn: irgendwelche Bastarde, denen er es nie und nimmer zugetraut hatte, nahmen sich vor, die Welt neu zu ordnen.

„Diese verdammten schmierigen Schurken! Sie haben mich das System mit aufbauen lassen und mit mir meinen Erfolg gefeiert. Sie haben mich angeheizt, mir Preise verliehen und mich hochdekoriert. Nun ziehen sie mir an einem Tag plötzlich den Boden unter den Füssen weg, oder noch besser gesagt: reissen die Zeltdecke über mir auf“, dachte er. Es war ja klar, dass die Zeiten sich ändern würden, aber warum denn gerade er? Wie hatte er das denn nicht kommen sehen können? Er war doch der beste gewesen!

Aber vielleicht war das ja der Grund? Der beste hatte am meisten vorzuweisen und am meisten zu bieten. So wie es scheint, wollen sie die Konstruktion komplett umkrempeln. Das bedeutet: es gibt eine neue Generation von Hyänen, die zur Übernahme der Beute bereit stehen. Er starrte hinab in die Strassenschlucht, so als ob er sie suchen würde mit seinen Blicken. Als ob er ihnen noch einmal in die Augen blicken wollte. Denen, die ihm nun alles wegnehmen würden. Alles. Sein ein und alles würden sie ihm nun aus der Hand reissen.

Es war klar: Um die Konstruktion komplett umzukrempeln, brauchten sie seinen stabilsten Träger!

„Diese Hundesöhne“, dachte er….“diese undankbaren Hundesöhne“.