die Einsamkeit tut!

Wie gut
die Einsamkeit tut!
Auch gut, dass niemand sich meldet,
um mich aus der süßen Trauer um den vergehenden Sommer zu reißen.

Und die Stimmen
in der trockenen Nacht
vor dem Fenster
klingen dumpf wie Opium

Wenn es einen Grund gibt,
dann befinde ich mich heute über ihm.
So warte ich
auf deine Stimme,

denn sie berauscht mich,
wenn sie fort ist
und weckt mich,
wenn sie klingt

München, August 2012

Abanibi – א-ב-ני-בי

1978 war ich noch frische 10 Jahre jung und lebte in einem damals neu gebauten brutalistischen Betonwohnhauskomplex in München/Milbertshofen, genau gegenüber vom riesigen BMW-Firmenareal an der Riesenfeldstrasse. Dort arbeiteten alle unsere Eltern, die in Dienstschichten eingeteilt von früh bis spät zwischen Betonwohnsiedlung und BMW-Gelände hin- und herpendelten. Sie gingen meist, wenn wir noch schliefen und wenn sie matt und fahl heimkamen rochen sie nach Schweiß und Motorenöl.
Wir waren die Kinder dieser Arbeitssklaven und waren meist in den Kulturen der Heimaten unserer Eltern sozialisiert. Allesamt waren wir vorwiegend Arbeiterklassekids aus Deutschland, Griechenland, Jugoslawien und der Türkei. Lediglich eine Familie mit französisch-haitianischen Wurzeln tanzte aus der Reihe. Die Reagan-Ära stand vor der Tür und ich ahnte noch nichts von all den Pop-Phänomenen, die bald über mich einbrechen würden: Michael Jackson, Hip Hop, Breakdance, Eisi Gulp, etc..
Wir waren begeisterte Elvis-, Boney M.- und Abbafans. Die Beatles waren auch allgegenwärtig. Ansonsten hörten wir die populäre Musik, die uns die Kasetten-, Platten- und Radiobeschallungen aus den Hifi-Kombigeräten unserer Eltern boten. Ich bin mit dem Sound aufgewachsen, den man jetzt unter dem hippen Oberbegriff „Anatolian Psychodelic Funk“ tituliert.
Den gabs damals natürlich noch nicht. Für uns war das populäre Volksmusik und rangierte immer schon abseits von Elvis und Abba. Es war eine andere Welt, eine andere Liga, die in unserer Wahrnehmung nichts mit dem Pop des Westens zu tun hatte. Aber uns war damals schon klar: Je mehr die Musik aus den Kassettenrecordern unserer Eltern stilistisch der von Elvis und Abba ähnelte, desto „besser“ war sie. Wir wollten alle auch Mitglieder einer „modernen“ Gesellschaft sein. Vorbild war natürlich die, in der wir lebten. Sie wurde nie in Frage gestellt. Sie war die Norm, auf deren Niveau auch „unsere Heimatkultur“ irgendwann kommen musste.
So waren wir als Vertreter*innen der migrantischen Kulturen im ständigen Wettstreit miteinander begriffen. Griech*innen und Türk*innen vor allem mussten sich gegenseitig ständig etwas beweisen. Die Eltern am Arbeitsplatz, wir Kinder unten im Hof.
Dieser Wettstreit kulminierte alljährlich im Eurovision Song Contest, auf den wir alle geeicht waren. Wer gab wem wieviele Punkte? Wie präsentierte sich das eigene Heimatland? Aus jetziger Perspektive ist es sehr interessant für mich zu sehen, wie wichtig uns dieses gesellschaftliche Ereignis damals war.
Im besagten Jahr 1978 wurde die Türkei wieder einmal fast Letzter und die Griechen rangierten wieder über dem 10. Platz. Diese Form der Enttäuschung waren wir türkischen Kinder schon gewohnt und zankten uns Wacker mit unseren griechischen Nachbarn*innen, mit denen wir uns gegenseitig aufzogen.
Was uns aber tatsächlich über diesen Misserfolg hinweg zu trösten vermochte, war die Tatsache, das wir alle völlig begeistert waren vom Sieger-Song: „Abanibi“ von „Izhar Cohen & Alpha Beta“ aus Israel. Der Song war funky, klang fast wie Boney M. und der Chorus hatte eine unglaublich einprägsame Melodie. Wir hatten keine Ahnung worüber da gesungen wurde, aber es wurde zum Ohrwurm der nächsten Jahre. Bis zum heutigen Tag hatte und habe ich ihn immer wieder im Kopf und tatsächlich habe ich mich auch nicht selten gefragt, was die Lyrics wohl bedeuten würden? Wir sangen immer – dem Wortklang folgend: „Abanibi abanebe, abanibi abanebe obataba“, was natürlich nicht stimmte, aber wen juckte das schon?

Den letzten Eurovision Song Contest 2018 hat tatsächlich nach 40 Jahren wieder eine israelitische Künstlerin, nämlich „Netta Barzilai“ mit dem Song „Toy“ gewonnen. Meiner Meinung nach hat sich Netta zwar mit der „me too Debatte“ einen politisch sehr wichtigen Inhalt ausgesucht, der Song kann aber von der Groovequalität und vom Kultcharakter her, dem Hit von 1978 kaum das Wasser reichen.
Genau darüber unterhielten wir uns in einer Runde von Freundinnen und Freunden letztens. Unter uns befand sich auch ein junger Tänzer aus Israel und mir viel mein Lieblingseurovisionsgewinner von damals wieder ein. Ich dachte mir, ich nutze die Gelegenheit und frage mal nach der Bedeutung des Textes.
Mein israelischer Freund sagte mir, dass der Titel „Ich liebe dich“ – also auf Hebräisch “ Ani obew ochta“ bedeuten würde, aber der ungewöhnliche Duktus daraus resultiere, dass eine unter Kindern im ganzen nahen Osten sehr beliebte sprachliche Umformung angewandt würde. Ich kannte das noch aus meiner Kindheit: es handelt sich um die sogenannte „Bi-Sprache“ und sie funktioniert folgendermaßen: Nach jeder Silbe wird eine in der Vokalharmonie angepasste Zusatzsilbe eingefügt. Das ist ein unter Kindern sehr beliebtes Wortspiel und kann auch dazu dienen, die eigenen Pläne in Gegenwart der Erwachsenen kryptisch zu kodieren. So war also der Titel meines Lieblingsliedes aus meiner Kindheit entstanden: „Abanibi obo ebew obachtaba“.
Nun verstand ich auch, warum der Song gerade bei uns Kids so sehr eingeschlagen hatte. Ein geschickter Schachzug, denn die Wortmelodie bleibt auch lautsprachlich leicht hängen. Ideal für einen Popsong! Ich war nun nach fast 40 Jahren nur noch mehr begeistert und wir wollten alle den alten Eurovisionshit anhören. Dazu zückte einer von uns sein Handy und wir suchten danach im Netz.
Während unserer Suche wurde unsere Freude aber schlagartig auf null reduziert und blieb uns in unseren trockenen Kehlen stecken: die israelische Staatsmacht hatte just an diesem Tag mit scharfer Munition auf palästinensische Demonstrant*innen an der Grenzregion zu Gaza reagiert, die gegen die Einrichtung der amerikanischen Botschaft in Jerusalem auf die Straße gegangen waren: 51 Tote und fast 1700 verletzte. Die zahlen wurden stündlich nach oben korrigiert.
Wir hörten uns den Song trotzdem an und hatten die nächsten Tagen alle den Ohrwurm. Es ist schließlich ein Lied über die Liebe und die ist alles, was uns auch im größten Wahnsinn unseres schizofrenen Daseins bleibt.

Süperfly Orkestra: „Do you love me?“

Süperfly Orkestra sind Nik LeClap und Süperfly aka Triptonious Coltrane.

sueperfly_orkestra

Seit geraumer Zeit geht das schon so mit den Zweien.

In einem skurrilen Umfeld schafft das Süperfly Orkestra in Kooperation mit Gestalten wie Elektro Hafiz, oder der Sängerin/Tänzerin Ma Sharona eine eigene Meta Ebene, in die es sich lohnt einzutauchen.

Track: „Do you love me?“.
Künstlerduo: „Süperfly Orkestra“.
Release: Online auf Bandcamp und Youtube / April 2018.

Director: Mehmet Ismail Birinci
Director of photography: James Bosporus
Videoproduction: Eddy Fiesta & Johnny Karacho

Musicproduction: Nik Le Clap & Süperfly
Original Song: „Do you love me?“ by Bendaly Family (1978)
Additional Lyrics: Süperfly
Vocals: Süperfly, Ma Sharona
Background Vocals: Fadime Gültekin, Emily Searle, Mehtap Arslan, Duygu Temel
Audio-Mix: Nik Le Clap
Audio-Mastering: Michael Heilrath (bereich03.de)

Characters: Ma Sharona, Roni Sagi, Süperfly, Nik Le Clap
Mask: Stefanie Poell
Assistantance: Sophie Poell, Emily Searle

Thanks to:
Hera Rauch (Heras Kostüme) for the big support!, Volkan Özekçin for the crazy bikes, Ceren Oran, Roni Sagi, Stephanie Poell, Sophie Poell, Mehmet Birinci, Emily Searle, Fadime Gültekin, Mehtap Arslan and Duygu Temel.

Geschichte? Was bringt mir das denn?

Buchtip:
Freiherr Max Von Oppenheim: „Denkschrift betreffend der Revolutionierung der islamischen Gebiete unserer Feinde“ (Berlin, 1914).

http://daskulturellegedaechtnis.de/work/oppenheim/

Viele von uns mochten das Fach Geschichte im Schulunterricht nie wirklich. Zusammen mit Mathe rangiert das Fach – so denke ich – immer noch unter den unbeliebtesten. Das Thema ist ja auch anfällig für sehr persönliche Projektionen. Schon unsere private Vergangenheit neigen wir vorteilhaft für uns zu interpretieren. Die unangenehmen Seiten interessieren da schon weniger. Einer beschönigten Geschichte mangelt es dann auch an dynamik und gegenwartsbezug. Sie ist eher eine leuchtende Inszenierung in der Ferne und hat mit dem hier und jetzt nicht viel zu tun. Wie sollte sie denn auch? Sie wurde ja mumifiziert und geglättet. Da gibt’s nicht viel zu erkennen, was einem im Umgang mit der Gegenwart weiterbringen könnte. Deswegen kommt dann natürlich auch oft die Frage: Geschichte? Das ist doch alles vergangen und vorbei? Was bringt mir das denn?
Ja liebe Kollegen und Kolleginnen. Aber wenn man sich selbst schon so gerne von kultureller Identität reden hört und diese dann auch noch immer öfter verknüpft mit einer nationalen, dann sollte man schon mal wissen, daß der deutsche Kaiser vor langer Zeit Hadschi Wilhelm Mohammed hat nennen lassen, nur um bei seinen osmanischen Verbündeten gut anzukommen, daß ein gewisser Herr Max von Oppenheim (seines Zeichens Archäologe, Nahost-Forscher, Diplomat, Spion, dessen Berichte auch am kaiserlichen Hofe gerne gelesen wurden), eine „Denkschrifft betreffend die Revolutionierung der islamischen Gebiete unserer Feinde“ verfasst hatte und jahrzehntelang – später auch (rotz seiner eigenen jüdischen Abstammung) in Kooperation mit den Nationalsozialisten – durchzuführen. Er starb gottseidank erfolglos. Aber der naive Wunsch, die islamische Population dieser Welt im Sinne einer, imperialen, später dann neoliberalen Expansion als schlagkräftige Dschihad-Truppe zu nutzen, war zwar schon ein Gedanke mit dem sich der Prophet Mohammed vielleicht durchaus hätte anfreunden können. Aber es war trotzdem nicht seine Erfindung. Zu einer Zeit, als Rassismus in Europa noch unreflektierter Standard war, hat man diesen Gedanken leicht zur Umsetzung bringen können. T. E. Lawrence (von Arabien), der im nachhinein hollywoodverklärte geniale englische Spion, litt wohl zeitlebens unter gewissensbissen, ob der falschen Versprechungen, die er seinen arabischen Verbündeten im Namen der britischen Außenpolitik angetan hatte. Immerhin!
Aber im Grunde sollten sich all diejenigen, die eine kulturelle Kluft zwischen Moslems und Christen sehen mal fragen, was ihr Anteil an diesem Phänomen ist. Ein Blick in die Ahnenreihe und intensive Recherchen wären da vielleicht aufschlußreich. Denn der Panislamismus ist mitunter ein Phänomen, an dem deutsche Denker (unter denen gab es damals noch wenige Frauen) maßgeblich beteiligt waren.
Die Arbeit des deutschen Auslandsgeheimdienstes begann in Nahost und hat im Wesentlichen bis jetzt nie einen Bruch erlitten. Nicht mal in der Nachkriegszeit. Warum auch? Die Amerikaner waren natürlich nicht doof genug, eine gut funktionierende Maschine nicht einfach weiterlaufen zu lassen. Also fand nie ein wirklicher Gesinnungswandel statt! Deutschland diente schon immer als Drehscheibe für islamistische Aktivisten aus aller Welt. Islamistische Netzwerke wurden damals wie heute von den unterschiedlichen Interessengruppen hofiert, um in der Nahost-Politik im eigenen Sinne zu agieren.
Deswegen behaupte ich: Nicht der Islam, sondern der Islamismus gehört zu Deutschland! Vor allem die Intellektuellen in diesem Land sollten sich mal ausgiebig mit ihrem eigenen radikalen Potential und dessen Tradition auseinandersetzen. Das ist der einzige Weg, wie man was erreichen kann.

Das äußerst aufschlußreiche Machwerk des Max von Oppenheim ist jetzt – wie oben schon angegeben – im Verlag Das Kulturelle Gedächtnis erschienen. Sehr empfehlenswert, wenn man den Mut dazu hat!

ausserdem das schauspiel

ausserdem komm ich aus ner ganz anderen ecke
ich komme

ich pisse durch das lüftungsgitter in die tiefgarage, weil ich zu faul bin, ein klo zu suchen
fliesst

ich hab panik, den zug zu verpassen
läuft

aber einen schönen hut trommeln auf ibiza
powermuschi

der rechtsanwalt tobt
ein volk wird plattgemacht
die u n schweigt

lächerlich, wie schlecht alles ist
ab und zu rollen
annehmen
und wieder

pi pa po, ja, weil die grossmutter sagt, ich gehöre zu deutschland

abonnier mich!

glauben und bilderberg

wenn wir
den blick schärfen
dann können wir
du trottel

das universum hat sich verschworen, denn ich bin das einzig wahre wesen
und es ist schon wieder gut

pass auf
die frau des präsidenten
hat sooo einen schwanz
ich zeig dir ein video
ich glaube
verzeih mir
aber

du darfst das schon mal sagen dürfen
dein latexkorsett ist geplatzt

die rothschilds verarschen uns hart
glaub mir!
glaube
glauben
und
bilderberg

HomoSuperSapiens

Super ist lächerlich. Ja was ist denn schon noch super? Ne, nicht, dass mir nix mehr gefallen würde, ganz im Gegenteil, aber jetzt mal ganz ehrlich: juckt denn diese Form der Wertebezeichnung irgendwen noch? Es gibt doch kein super mehr? Super ist schon lang ausgestorben. Die Mega- und Ultraphasen sind auch schon ausgelutscht. Wir leben in der extremen Minimalisierungsphase. Und da ärgere ich mich echt zu Tode. Das hatte ich versucht in den 90ern schon zu propagieren, aber da hat’s noch niemanden interessiert. Jetzt ist es der heißeste Scheiß: Wer eine ultimative Potenzierung seiner Haltung oder seiner Aussage erzielen will, muss immer mehr reduziert denken, Inhalte, Aussagen, Ausrufe reduzieren, dafür aber den Impact maximal verstärken. Statt einem Satz lieber ein Wort, dafür aber gleich hochpolarisierend. Keine politische Aussage ohne Verunglimpfung. Kein Rap, ohne deine Mutter. Keine Werbung ohne offene Herabwürdigung des Komsumenten/der Konsumentin. Kein Kraftwagendesign ohne überdimensionierte Okkupation von Lebensraum und Atemluft. Kein Krieg ohne die ultimative Verstrickung aller Bereiche des politischen, wirtschaflichen und privaten Lebens. Kein Konsum, ohne zumindest den minimalen Profit der Waffenindustrie.

hss_ohne_subtextDie Superlative hat ausgesorgt. Das Maß aller Dinge ist nun die Sprachlosigkeit. Die Sprache lebt in Halbsilben und nur noch angedeuteten Kraftausdrücken. Wir leben nur noch Megapixelsequenzen aus dem Mobilfunktelefon. In Bruchteilen von Sekunden müssen Inhalte verstanden werden. Alles, was länger dauert als 2 Sekunden ist nicht mehr medientauglich, ist nicht mehr kommunizierbar. Filme sind nur noch aneinandergereihte Animationen. Sprache verkommt zu Grunzlauten und Raunen. Was ich hier schreibe ist schon viel zu komplex eigentlich. Deswegen mach ichs ja: Der Punk der Zukunft, das sind elegant formulierte Sätze, komplett ausformulierte Sachverhalte.

Punk ist Super! Denn Super hat seine Existenzberechtigung völlig verloren. Alles was einmal super war, liegt nun brach umher und ist nicht mehr attraktiv. Super ist Retro und somit nunmehr Rückzugsbereich der neuen subversiven Aktion. Hauptsache es besteht ein aufrichtiges Bedürfnis dazu oder eben einfach nur ein unnötiges Selbstbewusstsein. Aber im Grunde hat die Superlative nie ihre Durchschlagskraft verloren. Ihr Potential wird nur nicht mehr genutzt, aufgrund des neuen nihilistischen Trends der Sprachlosigkeit. Dieser geht immer mehr hin zu: „Äääähhhh Huhh, Aaahhhmmm“. Und meistens endet sie in Porno. Was natürlich auch geil ist, aber noch zu sehr verdeckt und verschüttet. Vielleicht braucht es einfach mehr Pornodarstellerinnen und -darsteller im Parlament? Cicciolina im italienischen damals war zum Beispiel super. Ich war seinerzeit viel zu klein, um es zu begreifen, aber im Nachhinein find‘ ich, sie war wirklich super.

Wir müssen wieder zurück zum Super, falls das überhaupt noch möglich ist. Es entgleitet uns sonst komplett und löst sich in nichts auf. Dazu wäre es zu schade. Es gibt z.B. keine wirklichen Supermächte mehr. Man redet zwar noch von ihnen, aber im Grunde zersetzen sie sich gerade völlig und transformieren in hyperkapitalistische Geistwesen innerhalb der universellen Evolution. Es gibt keine Staaten mehr, keine unabhängigen Budgets. Es gibt nur noch Konzerne, die von digitalen Algorithmen betrieben werden. Das ist wirklich schlimm, ich weiß. Das ist schlimmer als jedes Horrorszenario in dystopischen Science-Fiction Filmen. Schau dir den alten Mad Max an: ein Witz im Vergleich zu einer einzigen Folge von Braking Bad. Mad Max war super. Braking Bad ist der Auswuchs eines zum Chemielabor verkommenen Gehirns.

Ich sage auch nicht, dass es Schade um das Staatensystem oder um die Supermächte wäre. Ganz im Gegenteil: ich sage nur, dass ihr Vakuum gefüllt werden sollte durch eine 2-dimensionale Superidentität, eigentlich durch die Mehrzahl: „Identitäten“. Es braucht Superheldinnen und -helden.

Diese hatten den Sprung ins 3D-Format eh nie nötig. Der Segen liegt im 2-dimensionalen analogen Druck mit CMYK Farbskala. Der revolutionäre Rückschritt des Homo Super Sapiens ins 2-dimensionale ist die einzige Rettung des Punk. Unsere Identitäten müssen sich um eine Dimension reduzieren. Ein Idiom in Comiclautsprache ist mir lieber als jeder überdimensionierte Bass, der ohne Subwooferweiterte Anlage nur digitales Krächzen im Sound verursacht. Digitale Verzerrung ist der Fluch unserer audiellen Welt.

„Poom, Bamm, Pow, Swoosh, Craaash, Umpf, Huh?, Aaaarrgh…“ Das sind wenigstens ausformulierte Sprachverstärkungen, die natürliche Laute im Textformat simulieren. Die klassische Sprechblase als Kommunikationsmedium im Alltag. Da liegt unsere Zukunft! Nicht dort, wo sie uns in Promovideios von IT-Messen suggeriert wird.

Wir sind die Vertreterinnen und Vertreter der Spezies Homo Super Sapiens. Dessen müssen wir uns immer bewußt sein! Wir sind keine halbdigitalen Mutanten, die mit ner Programmierungsschnittstelle im Kopf auf die Welt gesetzt werden. Es gibt uns noch. Wir existieren im analogen Zwischenbereich zwischen Comic und Hyperraum. Das wird sich so schnell auch nicht ändern. Wir müssen es nur endlich begreifen!

Und noch eines: wahre Homo Super Sapiens brauchen keine große strategische Koalition mit dem politischen Gegner nur weil man sich nicht traut, zu seinem Sonderformat zu stehen (GroKo Haram!).

Der passende Soundtrack zu diesen Gedanken kommt übrigens von meiner Band HomoSuperSapiens, die am 14. Juni 2018 in der Glockenbachwerkstatt in München ihr 10-jähriges Nichtbestehen mit einem Liveauftritt zelebriert (https://soundcloud.com/homosupersapiens/tracks).

Triptonious Coltrane

Veröffentlicht im Gaudiblatt #28: http://gaudiblatt.de/28-suepergaudi/